Johnny Cash „American Recordings“: Abschied eines Urgesteins

 

Joachim-Ernst Berendt, einer der faszinierendsten Musikjournalisten, die Deutschland je hatte, hat sich einmal im Rahmen seines Projekts „Die Welt ist Klang“ (bei Zweitausendeins) u.a. auch mit dem Spätwerk großer Musiker und deren Beschäftigung mit dem nahenden Tod auseinandergesetzt. Eines seiner berühmtesten Beispiele ist die radikale Abwendung Mozarts weg von seiner typischen – neutral formuliert – ‚Leichtigkeit‘ hin zum hochdramatischen Requiem seiner letzten Tage. Achtung: Switch!

Der Hip Hop/Metal-Produzent (!) Rick Rubin entschied sich in den 90’er Jahren, mit Johnny Cash, der größten Country-Ikone unter Gottes Sonne, eine Albumreihe aufzunehmen, die sich von den früher oft überproduzierten Country-Produktionen und von dem klassischen „Boom-Chicka-Boom“-Sound von Cashs damaliger Begleitband Tennessee Three abhob (Bsp. „The Ring Of Fire“). Die Reihe sollte leben von der Entfaltung Cashs ungestörter Präsenz (engl.: „roots-radical“). Sämtliche – meist bezüglich der Countrymusic genrefremden – Stücke wurden einzig und allein mit Gesang und Gitarre in Rubins Wohnzimmer bzw. in Cashs Blockhütte aufgenommen.

Rubin motivierte Cash ab 1994 bis zu seinem Tod, freiweg alles zu singen, was er wollte, und Cash entschied sich für eine Sammlung seiner Lieblingslieder u.a. von U2, Depeche Mode, Kris Kristofferson, Nick Lowe, Leonard Cohen, Tom Petty, Tom Waits, The Eagles und Simon & Garfunkel. Es hagelte unzählige Grammy Awards als Best Country Male Local Performance. Die Songs befassten sich mit Abschied, Verlust, aber auch Gewalt, Kriegserinnerungen, Glaubensbekenntnissen und dem Wunsch nach Freiheit. Cash öffnete sich wie nie zuvor. Er zeigte seine grenzenlose Verletzlichkeit, seine tiefen Täler, durch die er nach dem Verlust seiner geliebten Frau gegangen war. Dennoch dominierte trotz der Schwermut eher die Weisheit, die Dankbarkeit im Rückblick auf sein Leben. Nichts war mehr zu spüren von dem Rebellentum seiner früheren Jahre, der Wut und Auflehnung, nichts mehr von dem makabren „I Shot A Man In Reno, Just To Watch Him Die“ aus seinem von Gefängnisinsassen umjubelten „Folsom Prison Blues“.

„Delia’s Gone“ (w. Kate  Moss)

“Hurt“

„One“ (U2)

„Further On Down The Road“

„I See A Darkness“

„God‘s Gonna Cut You Down“

„Personal Jesus“ (Depeche Mode)

„We‘ll Meet Again“

„Ain’t No Grave“

„Redemption Song“

„I Hung My Head“

„The Beast In Me“ (Nick Lowe)

„The First Time Ever I Saw Your Face“ (Roberta Flack)

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Posted by: Peter on

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