John Peel Archive: Ein Online-Schlaraffenland wird eröffnet

 

Auf meiner Website hier habe ich ja schon mal einen Artikel über Alan Bangs geschrieben, den ich sehr verehre. Der Ursprung alles dessen, was Alan Bangs als Radiomoderator geleistet hat, liegt m.E. bei John Peel. John Peel war nicht irgendein DJ: keine Hörerwünsche, kein nerviges Gequatsche. keine Profilneurosen, keine Interviews, kein Promiklatsch. Bei Peel ging es um die Musik.

Er war ein Katalysator für ungewöhnliche Töne und Wegbereiter zahlreicher Karrieren im Bereich des psychedelischen und progressiven Rock & Pop, wie z.B. Pink Floyd, seit 1967 Stammgäste in seiner Show beim Piratensender Radio London und später bei Radio 1 (BBC). Ihre Musik bezeichnete er als „den Klang sterbender Galaxien“. Seine Mission: statt dem üblichen Klamauk und hohlbirnigen Geblubber (vgl. 1 Live) präsentierte er Künstler und Songs, die Andere nicht mit der Kneifzange angefasst hätten, war dabei aber immer dem Puls der Zeit einen Schritt voraus. (mehr …)

U.K., eine Supergroup verpufft erfolgreich lautlos im All

 

Es gibt so Bands, da muss ich beim erstmaligen Hören sofort zum DJ oder (im Konzertvorprogramm) an den Mischpult rennen, um zu erfahren, wer um Gottes Willen DAS denn jetzt schon wieder ist. Bei U.K. war das so: noch nie vorher gehört und sofort angefixt. Die Besetzung ab 1978 war atemberaubend und bestand aus einer äußerst illustren Truppe: John Wetton & Bill Bruford, die ehemalige Rhythmussektion von King Crimson (Bruford vorher auch schon bei Yes und Genesis), Allan Holdsworth (Gong, Soft Machine), einer der begabtesten und gefragtesten Fusion-Gitarristen seiner Zeit, sowie Eddie Jobson (bisher bei Roxy Music und Frank Zappa, später bei Jethro Tull). Also eigentlich eine ganz große Hausnummer.

Geplant und von der Öffentlichkeit wahrgenommen als Supergroup, waren U.K. allerdings leider ein Paradebeispiel dafür, wie die Hybris und die Egos ihrer Mitglieder zum Niedergang einer Formation führen können. Die musikalischen Differenzen boten einfach zu viel Zündstoff. Bruford wurde bald ersetzt durch Terry Bozzio (auch er kam von Zappa), Wetton wechselte mit gewaltigem Erfolg zu der Formation Asia.

Auf Grund laufender Umstrukturierungen wechselte auch die Richtung der Musik: anfangs stärker angejazzt, danach eher breit angelegter Exkurs in den Progressive Rock. 1979 tourten U.K. noch als Headliner sowie als Support für Jethro Tull, Bozzio ging, und vieles verlief sich im Sand. Der Versuch von Wetton, Jobson & Bruford an einer neuen Platte 1999 mit Gästen wie Steve Hackett und Tony Levin scheiterte. Bill Bruford widmete sich ab da, nach all der Heavy Phase seiner eigentlichen Neigung, dem Jazz.

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Scott Walker: Evolution einer Depression (vom Teenie-Idol zum Avantgardisten)

Scott Walker, *1943 als Scott Engel, verließ uns im März 2019. Und wenn sich jemand fragt „Who the f… is SW?“, ist das in Teilen nachvollziehbar, kennt man ihn doch eher als die sonore, tragende Baritonstimme und den ‚good looking guy‘ der Walker Brothers mit Welthits wie „The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore“, „Make It Easy On Yourself“ und „No Regrets“. In Summe brachten sie es zwischen 1965 und 1978 auf 10 eigene Alben, in der Folgezeit insgesamt auf sage und schreibe 25 erfolgreiche Compilations.

Mit jungen Jahren wuselte er sich in den USA schon quer durch mehrere Instrumente und Studios und landete schließlich bei dem international renommierten Produzenten Jack Nitzsche. 1964 gründete Engel mit John Maus die Walker Brothers, später im Jahr holten sie Gary Leeds hinzu. Das Produkt war eine perfekte Mischung aus den Beatles, Everly Brothers und Burt Bacharach. Schon 1965 holte sie Brian Jones von den Rolling Stones (!) nach England, und die Euphorie kannte keine Grenzen mehr, sprich: der Rummel um die Band wurde absolut unerträglich.

Doch als Scott mit 76 an einem Krebsleiden stirbt, meldet sich als einer der Ersten ausgerechnet Thom Yorke von Radiohead mit den Worten: „He was a huge influence on Radiohead and myself, showing me how i could use my voice and words. He will be very missed.“ Was war passiert?

Nach dem Ende der Band hatte Scott eigene neue Wege der experimentelleren Art eingeschlagen. Mit seinen noch durchaus zugänglichen Veröffentlichungen „Scott 1-4“ setzte er die ersten Kontrapunkte zum bisherigen Hitparadendasein und schlug markantere Töne an, u.a. mit Neuaufnahmen der Chansons von Jacques Brel und Songs mit politischem Statement. Seine Abwendung vom bisherigen Genre wurde immer radikaler bis hin zu avantgardistisch, auch zunehmend auf eine schmerzhafte Art nach innen gekehrt und mit Klängen, die einem den Atem stocken lassen, karg und düster. Als prägendste Einflüsse werden hier Brian Eno und David Bowie genannt. Auf „Climate Of Hunter“ erschien immerhin noch Mark Knopfler, „Tilt“ und „Bish Bosch“, mit Assoziationen zu Kafka und Camus, waren zwar noch immer unendlich faszinierend, aber auch schon heftig beklemmend. In seinen Texten ging es jetzt um verworrene Dinge – ermordete Diktatoren, Pier Paolo Pasolini oder den toten Zwillingsbruder von Elvis. Soused“ (in Kooperation mit der Doom Metal Band Sunn O))) schließlich enthielt die ungewöhnlichsten und atemberaubendsten Aufnahmen, die ein ehemaliger Popstar wohl jemals vorgelegt hat, ein Hybrid aus Industrial, Ambient, Klassik und Lyrik. Er selbst nannte es „mein akustisches Äquivalent zu den Zeichnungen, die HR Giger für den Film ‚Alien‘ gemacht hat“.

„The Sun Ain‘t Gonna Shine Anymore“

„No Regrets“

„It‘s Raining Today“

„Copenhagen“

„Light“

„If You Go Away“

„Such A Small Love“

„Plastic Palace People“

„Track 6“

„Tilt“

„Farmer In The City“

„Brando“ (Feat. Sun O))) )